Ansprechender Fassadenanstrich führte zum Rechtsstreit

Die farbige Gestaltung einer Fassade verleiht dem Haus eine individuelle Note. Bei der Farbtonauswahl sind jedoch ein paar Kriterien zu berücksichtigen. Denn anders als bei der farbigen Innenraumgestaltung zählt bei der Fassadengestaltung nicht nur der individuelle Geschmack. Hier ist die Gemeinschaft der Eigentümer maßgeblich zu berücksichtigen.

Dass eine auffällige Änderung des Farbanstrichs einer Fassade eine bauliche Veränderung darstellen kann, entschied das Landgericht München I im September 2012. Folge ist, daß eine solche Maßnahme nur mit Zustimmung aller Eigentümer verbindlich beschlossen werden kann.


Zur Sachlage


Im Verlauf einer Eigentümerversammlung wurde die farbliche Renovierung der Fassade beschlossen. Ursprünglich war die Fassade einheitlich hellgelb gestrichen. Im Folgenden sollten im Bereich der Balkone orangefarbene Streifen auf die Fassade aufgetragen werden zur Auflockerung der optischen Erscheinung. Verschiedene Eigentümer hatten dem Sanierungsbeschluß nicht zugestimmt und reichten anschließend eine Anfechtungsklage ein.


Mit Erfolg!


Die Entscheidung


"Das Landgericht in München bestätigte zugunsten der anfechtenden Mitglieder der Eigentümergemeinschaft, daß die geplante Veränderung des ursprünglichen Anstrichs eine bauliche Veränderung darstellt. Veränderungen der äußeren Gestaltung eines Gebäudes, beispielsweise auch der Farbgebung, gehen nämlich über eine Instandsetzung und Instandhaltung hinaus, soweit der Gesamteindruck einer Wohneigentumsanlage beeinflußt wird.


Im entschiedenen Rechtsstreit wurde durch den beschlossenen Neuanstrich das gesamte Erscheinungsbild der Immobilie deutlich verändert, weil die Fassade nicht ausschließlich im alten Farbton neu gestrichen wurde. Die Schaffung starker Farbkontraste auf einer Fassade stellt eine wesentliche Änderung der Bausubstanz dar.


Durch diese Änderung wurden alle Mitglieder der Eigentümergemeinschaft in ihren Rechten gemäß § 14 Nr. 1 Wohnungseigentumsgesetz (WEG) beeinträchtigt. Aus diesem Grund hätten alle Mitglieder der Eigentümergemeinschaft der Veränderung zustimmen müssen (LG München I, Urteil v. 20.09.12, Az. 36 S 1982/12 WEG)".
Wolfgang Cremer
FachPresseDienst

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