Was bringen dem Mittelstand die Steueränderungen 2011?

  Der Bundesrat hat das Jahressteuergesetz 2010 verabschiedet. Von den rund 200 Änderungen sind nur eine handvoll tatsächlich neu und wichtig. Hier die Zusammenfassung der wichtigsten Änderungen für Handwerksunternehmer. Wir haben das Jahressteuergesetz nach echten Neuerungen durchforstet. Von den rund 200 Änderungen sind nämlich nur eine Handvoll tatsächlich neu und wichtig. Hier die Zusammenfassung der wichtigsten und interessantesten Änderungen für das Steuerjahr 2011.

Keine Vorsteuer mehr für Privatgebäude


Durch das Jahressteuergesetz 2010 wird leider ein Steuersparmodell der Extraklasse ausgehebelt. Nutzte ein Selbstständiger nämlich mindestens zehn Prozent seines Eigenheims betrieblich  -etwa für einen Lagerraum-, bekam er auf Antrag die volle Vorsteuer aus dem Kaufpreis oder den Herstellungskosten erstattet.


Zehn Jahre lang musste er dann für den privat genutzten Teil des Hauses Umsatzsteuer ans Finanzamt zurückzahlen. Ein echter Finanzierungskick, denn wegen der Vorsteuererstattung brauchte der Selbstständige geringere Darlehen. Ab 2011 ist der Vorsteuerabzug nur noch für den Teil des Gebäudes erlaubt, der betrieblich genutzt wird.


Tipp: In den Genuss dieses bisherigen Steuersparmodells, im Fachjargon auch als Seelingmodell bezeichnet, kommen noch alle, die noch vor dem 1. Januar 2011 einen Kaufvertrag abschließen oder einen Bauantrag stellen. Um steuerlich wasserdicht planen zu können, ist hier die Hinzuziehung des Steuerberaters unbedingt empfehlenswert.


 


 Steuerschuldnerschaft für Gebäudereiniger


Unternehmer, die Gebäude reinigen und Rechnungen von engagierten Kollegen über die Gebäudereinigung erhalten, müssen ab 2011 ihr Rechnungswesen umstellen. Denn in der Rechnung des beauftragten Gebäudereinigers darf keine Umsatzsteuer ausgewiesen werden. Die Umsatzsteuer hat der Rechnungsempfänger ans Finanzamt abzuführen, kann im selben Atemzug jedoch Vorsteuer gegenrechnen. Ein Nullsummenspiel, mit dem ausschließlich die Sicherstellung die Zahlung der Umsatzsteuer gesichert werden soll.


Tipp: Zwei wichtige Grundsätze:


1. Wird bei Privatleuten oder in Unternehmen geputzt, die selbst keine Reinigungsarbeiten anbieten, ändert sich an der Rechnungsstellung ab 2011 nichts. Die Neuregelung gilt nur, wenn zwei Unternehmen untereinander abrechnen, die beide Reinigungsarbeiten ausführen.


2. Bis zum 1. Januar 2011 ist es unmöglich, die Voraussetzungen zur Steuerschuldnerschaft in der Buchhaltung und im Rechnungswesen umzusetzen. Ähnlich wie in der Bauwirtschaft im Jahr 2004 werden Gebäudereiniger deshalb eine Übergangsregelung erhalten. Damals durfte bis zum 30. Juni des darauf folgenden Jahres nach den bisherigen Regeln abgerechnet werden. Erst ab dem 1. Juli musste die Steuerschuldnerschaft dann angewandt werden.


 


Steuerschuldnerschaft bei Schrottverkäufen


Auch bei Verkauf von Industrieschrott, Altmetall und sonstigen Abfallstoffen greift ab 2011 die Steuerschuldnerschaft. Verkauft ein Handwerker also einem Schrotthändler


Metall, darf er in seiner Rechnung keine Umsatzsteuer ausweisen und der Schrotthändler muss die Umsatzsteuer ausrechnen und ans Finanzamt abführen.


Er kann jedoch in gleicher Höhe Vorsteuer abziehen. Auch hier dürfte es wegen der späten Verabschiedung des Gesetzes eine Übergangsregelung bis 1. Juli 2011 geben.


 


Häusliches Arbeitszimmer – Grenzen abgesteckt


Immer mehr Handwerker sind Einzelkämpfer, die ihre Tätigkeit ohne Werkstatträume und ohne Personal ausüben. Sie werden nur vor Ort bei ihrem Kunden tätig, haben ihr Werkzeug im Werkstattwagen und nutzen nur ihr häusliches Arbeitszimmer. In diesem Fall ist im Jahressteuergesetz 2010 geregelt, dass Selbstständige ohne weiteren Arbeitsplatz bis zu 1.250 Euro für ihr häusliches Arbeitszimmer als Betriebsausgaben abziehen dürfen.


Tipp: Dieser jährliche Höchstbetrag darf übrigens rückwirkend ab dem Jahr 2007 vom Gewinn abgezogen werden. Hierzu sind ein Antrag und ein Nachweis der angefallenen Kosten für das häusliche Arbeitszimmer notwendig.


 


Keine neuen Lohnsteuerkarten für 2011


Für 2011 verschicken die Gemeinden keine Papier-Lohnsteuerkarten mehr. Um die Lohnsteuer und die Sozialversicherungsbeiträge ab 2011 korrekt ermitteln zu können, müssen selbstständige Handwerker weiterhin die Daten der Lohnsteuerkarte 2010 verwenden. Die Lohnsteuerkarten 2010 dürfen also nicht vernichtet werden. Denn kündigt ein Mitarbeiter während des Jahres 2011, muss diesem seine Lohnsteuerkarte 2010 ausgehändigt werden. Weitere Infos zur Lohnsteuer 2011, zur bevorstehenden elektronischen Übermittlung der Lohndaten ab 2012 enthält ein ausführliches Infoschreiben des Bundesfinanzministeriums (Schreiben vom 5. Oktober 2010, Az.: IV C 5 – S2363/07/0002-03).


Tipp: Tritt ein Auszubildender im Jahr 2011 seine Ausbildung an und hat noch nie eine Lohnsteuerkarte besessen, muss er beim Finanzamt eine Ersatzlohnsteuerbescheinigung für 2011 beantragen und seinem neuen Arbeitgeber aushändigen.


 


  Keine Doppelförderung bei Handwerkerleistungen


Beauftragen Sie einen selbstständigen Handwerker mit Arbeiten in Ihrem Haushalt, erhalten Sie für die abgerechnete Arbeitsleistung auf Antrag eine Anrechnung auf Ihre Steuer von 20 Prozent, höchstens von 1.200 Euro. Die Steueranrechnung kippt nach derzeitiger Rechtslage jedoch, wenn Sie für eine Modernisierungsmaßnahme ein zinsgünstiges Darlehen oder einen Zuschuss im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogramms von der KfW-Förderbank erhalten.


Das ist neu: Ab 2011 wird der Ausschluss der Anrechnung auf alle öffentlich geförderten Maßnahmen, für die es zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse gibt, ausgeweitet.


Tipp: Es gibt einen Ausweg. Das Finanzamt darf die Steueranrechnung von maximal 1.200 Euro nur dann kippen, wenn die Fördermaßnahme tatsächlich in Anspruch genommen wird. Hier ist also ab 2011 Rechenarbeit gefragt, ob Sie mit der Steueranrechnung oder mit der öffentlichen Förderung finanziell günstiger fahren.


 


Verkauf von GmbH-Anteilen: Kein voller Kostenabzug


Wer einen Anteil an einer Kapitalgesellschaft von mehr als einem Prozent im Privatvermögen hält, muss seine Verkaufsgewinne nach § 17 EStG mit dem Finanzamt teilen. Seit 2009 gilt jedoch das Teileinkünfteverfahren. Danach hat der


Anteilseigner nur 60 Prozent seines Gewinns zu versteuern, darf dem Finanzamt aber auch nur 60 Prozent seiner Ausgaben im Zusammenhang mit seiner Beteiligung präsentieren. Der Bundesfinanzhof erlaubt jedoch den vollen Abzug der Ausgaben, wenn der private Anteilseigner niemals Einnahmen aus der Beteiligung erzielt hat (BFH, Urteile vom 25. Juni 2009, BStBl 2010 II S. 220 und vom 18. März 2010, Az.: IX B 227/09).


Neu ab 2011: Mit dem Jahressteuergesetz 2010 hebelt der Gesetzgeber die steuerzahlerfreundliche Rechtsprechung des BFH aus. Danach dürfen nur 60 Prozent der Ausgaben abgezogen werden, sofern der private Anteilseigner die „Absicht zur Erzielung von Betriebsvermögensmehrungen oder Einnahmen“ hatte.


 


Berater finden - kostenloser Suchdienst


Die Steuerberaterkammer des Freistaats Sachsen bietet einen bundesweiten Steuerberater-Suchdienst an. Wenige Eingaben genügen, um eine Auswahl von möglichen Berater angezeigt zu bekommen.



Lohnsteuerkarte 2010 gilt auch 2011


Das Bundesministerium der Finanzen weist darauf hin, dass in diesem Jahr keine neuen Lohnsteuerkarten für das Jahr 2011 versandt werden, da der Gesetzgeber entschieden hat, das Lohnsteuerabzugverfahren auf ein elektronisches Verfahren umzustellen. 


 


Mit der Umstellung auf dieses neue Verfahren wird die Kommunikation zwischen Bürger, Unternehmen und Finanzamt deutlich vereinfacht und beschleunigt. Ab 2012 werden die für die Berechnung der Lohnsteuer benötigten Daten in einer Datenbank der Finanzverwaltung hinterlegt und den Arbeitgebern in elektronischer Form zum Abruf bereitgestellt werden. Mit dem neuen elektronischen Verfahren ist die bisher von den Gemeinden ausgestellte Lohnsteuerkarte in Papierform nicht mehr notwendig. Bis zum Start des elektronischen Verfahrens wird es im Jahr 2011 einen Übergangszeitraum geben. Ansprechpartner für Auskünfte zu den gespeicherten steuerlichen Daten sowie für deren Änderungen wird bereits ab dem Jahr 2011 unmittelbar das zuständige Finanzamt sein. Hinsichtlich der Meldedaten bleibt es allerdings - wie bisher - bei der Zuständigkeit der Gemeinden.


 


Die Lohnsteuerkarte 2010 behält auch für das Jahr 2011 ihre Gültigkeit.


 


Dies bedeutet:


Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entfällt bei einem fortbestehenden Dienstverhältnis die Verpflichtung, für das Kalenderjahr 2011 eine neue Lohnsteuerkarte vorzulegen. Der Arbeitgeber darf die Lohnsteuerkarte 2010 nicht wie bisher am Jahresende vernichten, sondern muss die darauf enthaltenen Eintragungen auch für den Lohnsteuerabzug im Jahre 2011 zugrunde legen.


Bei einem Wechsel des Arbeitgebers in 2011 legen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die vom bisherigen Arbeitgeber ausgehändigte Lohnsteuerkarte 2010 dem neuen Arbeitgeber vor. Sofern Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte 2010 eingetragen sind, gelten diese unabhängig vom Gültigkeitsbeginn auch im Jahr 2011 weiter. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind verpflichtet, die Steuerklasse und die Zahl der Kinderfreibeträge auf der Lohnsteuerkarte 2010 umgehend durch das Finanzamt ändern zu lassen, wenn die Eintragungen von den Verhältnissen zu Beginn des Jahres 2011 zu ihren Gunsten abweichen.


 


Beispiel:
Wurde eine Ehe in 2010 geschieden und sind somit die Voraussetzungen für die Steuerklasse III weggefallen, ist der Arbeitnehmer verpflichtet, die Steuerklasse I auf der Lohnsteuerkarte 2010 eintragen zu lassen. Um Nachzahlungen im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung 2011 zu vermeiden, kann die Herabsetzung von Freibeträgen beim Finanzamt beantragt werden.


 


Beispiel:
Aufgrund eines Wohnortwechsels sind für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte im Jahr 2011 geringere Fahrtkosten anzusetzen als im Jahr 2010.


Während des Jahres 2010 wird eine Lohnsteuerkarte noch von der Gemeinde ausgestellt. Wird im Jahr 2011 erstmalig eine Lohnsteuerkarte benötigt, stellt grundsätzlich das zuständige Finanzamt auf Antrag eine Ersatzbescheinigung anstelle einer Lohnsteuerkarte aus.



Weiterführende Informationen zur elektronischen Lohnsteuerkarte stehen den Bürgern unter www.elster.de sowie in der vom Bundesministerium der Finanzen herausgegebenen Broschüre „Die elektronische Lohnsteuerkarte“ zur Verfügung. Einzelfragen sind mit dem zuständigen Finanzamt zu klären.



 


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