Was kostet dem Mittelstand das neue Gesundheitswesen 2011?

  Der Beitragssatz steigt auf das Niveau vor der Wirtschafts- und Finanzkrise. Neuer Beitragssatz 15,5 Prozent. Der Beitragssatz wird ab 1. Januar 2011 auf das Niveau vor der Wirtschafts- und Finanzkrise angehoben. Versicherte zahlen wieder 8,2 Prozent, Arbeitgeber 7,3 Prozent. Der Arbeitgeberanteil wird festgeschrieben.

Der Beitragssatz steigt damit insgesamt von 14,9 auf 15,5 Prozent.
 


Bemessungsgrenzen sinken


Aber für viele Versicherte wird es auch günstiger: Die Beitragsbemessungsgrenze für das Jahr 2011 sinkt in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf 44.550 Euro jährlich (2010: 45.000 Euro) beziehungsweise 3.712,50 Euro monatlich (2010: 3.750 Euro). Bis zu diesem Einkommen werden Beiträge in der GKV berechnet.
 
Ab 2011 wird der Wechsel in eine private Krankenversicherung leichter. Arbeitnehmer müssen künftig nur noch ein Jahr (vorher waren es drei Jahre) ein bestimmtes Bruttogehalt haben, um wechseln zu können. Die Versicherungspflichtgrenze sinkt 2011 von 49.950 auf 49.500 Euro beziehungsweise von 4.162,50 Euro monatlich auf 4.125 Euro.
 


Zusatzbeitrag mit Sozialausgleich


Wenn Zusatzbeiträge erforderlich sind, erheben die Krankenkassen sie als einkommensunabhängige Beiträge in Euro und Cent. Diese Beiträge zahlt das Mitglied direkt an die Krankenkasse. Über die Höhe entscheidet jede einzelne Krankenkasse selbst. Die meisten Kassen benötigen 2011 keinen Zusatzbeitrag.
 
Der Sozialausgleich greift, wenn der durchschnittliche Zusatzbeitrag zwei Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens übersteigt. Der Versicherte hat dann Anspruch auf Ermäßigung seines Beitrags.
 
 
Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler

Beispielrechnung:
Die Kasse erhebt einen Zusatzbeitrag von 20 Euro im Monat. Der Versicherte hat ein Einkommen von 800 Euro. Der Sozialausgleich bewirkt nun: Zwei Prozent von 800 Euro Einkommen entspricht 16 Euro. Das ist die Erhöhung, die er höchstens zahlen muss. Er spart also vier Euro (?).
 


Gründe für die Finanz-Neuordnung im Gesundheitswesen


Neun Milliarden Euro Defizit - so war die Prognose für den Gesundheitsfonds 2011. Seit Jahren wachsen die Ausgaben der GKV schneller als die Einnahmen. Die Gründe: eine immer älter werdende Bevölkerung und ein kostenintensiver medizinischer Fortschritt. Ohne Reform hätte jedes siebte Krankenhaus und fast jede vierte Arztpraxis geschlossen werden müssen.
 
Mit dem GKV-Finanzierungsgesetz werden die Ausgaben stabilisiert, die Einnahmen auf eine solide Basis gestellt. Die hervorragende medizinische Versorgung bleibt langfristig bezahlbar: für alle Versicherten, für jedes Alter, für jeden Geldbeutel.
 
Dazu leisten alle ihren Sparbeitrag: durch Deckelung höherer Vergütungen für Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser. Die Krankenkassen frieren Verwaltungskosten ein. Einsparvolumen: über eine Milliarde Euro.
 
Neuordnung des Arzneimittelmarktes


Durch die Neuordnung des Arzneimittelmarktes werden die Krankenkassen und damit die Beitragszahler entlastet.
Erstmals müssen Arzneimittelhersteller für alle neuen Medikamente den zusätzlichen Nutzen nachweisen. Für diese Arzneimittel handeln Pharmaunternehmen und der Spitzenverband der Krankenkassen einen Rabatt auf den Abgabepreis aus.
 
Bei allen anderen Arzneimitteln gelten nur noch marktübliche Festbeträge. Das führt zu sinkenden Arzneimittelpreisen und stabilen Beiträgen für die Versicherten. Pharmafirmen verlieren damit den Anreiz, neue Medikamente ohne zusätzlichen Nutzen auf den Markt zu bringen. Sie verlieren ihr Preismonopol.
 
Patienten erhalten wie bisher die wirksamsten Medikamente. Sie beteiligen sich nur mit der gesetzlichen Zuzahlung an den Rezeptkosten. Gesetzlich Versicherte können künftig auch ein teureres Medikament ihrer Wahl bekommen, wenn sie die höheren Kosten selbst tragen. Bisher war das nicht möglich, denn die Kasse zahlte nur die preisgünstigste, wirkungsgleiche Arznei.
 
Für die Wahltarife "Kostenerstattung, Beitragsrückerstattung/Prämienzahlung und Arzneimittel der besonderen Therapierichtung" verkürzen sich die Bindungsfristen von drei Jahren auf ein Jahr. Für die Wahltarife "Selbstbehalt" und "Krankengeld" gilt auch 2011 die dreijährige Bindung. Auskünfte hierzu erteilen die Krankenkassen.

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